ICELAND VIII: NORTHERNLIGHTS / POLARLICHTER

Polarlichter zu sehen ist eine der magischsten Erfahrungen überhaupt; jemandem von dem Gefühl und der Magie zu berichten, ist dagegen wirklich schwer, da der Moment an sich einfach so einzigartig ist, das jede Erzählung ihn verblassen lässt. Gleiches gilt für Fotos, wer hat nicht schon Bilder oder Timelapse-Videos mit den grünen Lichtern gesehen, den unvergesslichen Moment geben diese leider nicht wieder. Und genau deswegen hat das Licht uns in seinen Bann gezogen und wir wollten es unbedingt noch einmal sehen. Heute möchte ich euch daher von unserer Suche nach Nordlichter auf Island berichten.

Unsere Reise nach Island haben wir bewusst auf Ende September gelegt, denn nachdem wir bereit im März 2016 in Tromso Polarlichter gesehen haben, hatten wir natürlich die Hoffnung, erneut die Aurora zu sehen. Island gehört zu den besonderen Orten auf der Welt, die im Polarlichtoval liegen und wo somit im Winterhalbjahr an 9 von 10 Tagen die Chance gegeben ist, genau diese zu sehen. Die Wahrscheinlichkeit ist von September – Ende März hoch, wobei die Aktivität im September und Oktober, sowie im März am höchsten ist. Und auch wenn man im richtigen Monat vor Ort ist, heißt das leider noch gar nichts. Während unseres Besuchs hat uns eine Dame erzählt, dass sie drei Wochen unterwegs war und trotzdem kein einziges Mal Polarlichter gesehen hat.

Voraussetzung um Polarlichter zu sehen

Die Stärke der Aurora wird über den KP-Index angegeben. Dieser geht von 0 bis 9 und zeigt die Intensität an. Bei einer Reise, wo man Polarlichter sehen möchte, sollte man sich zunächst darüber informieren, welche KP-Zahl in der Region benötigt wird um Polarlichter zu sehen. Auf Island ist es z.B. bereits zwischen 1 und 2 möglich, will man in Deutschland Polarlichter sehen, benötigt es mindestens eine 7.

Neben einer hohen Kp-Anzahl, und somit dem Vorhandensein von Sonnenaktivität braucht es folgendes, damit man bei der Suche nach Polarlichtern erfolgreich ist:

  • Dunkelheit bzw. wenig Lichteinfluss (in Städten ist es viel zu hell, da alles Licht absorbiert, am besten raus aus der Stadt fahren und einen dunklen Platz suchen)
  • klarer Himmel (Wolken verdecken die Aurora leider)
  • 180° Blick (man darf nicht nur in eine Richtung schauen, sondern muss alles gut im Blick haben und sich nicht ablenken beim Warten)

Polarlichter suchen und finden

Um uns an die richtige, und somit an eine wolkenfreie Stelle zu navigieren, haben wir eine fantastische Karte des isländischen Wetteramts genutzt. Auf dieser Karte kann man sich wolkenfreie (=weiße Stellen) und wolkenbesetze (=grüne Stellen) Gebiete anzeigen lassen und das mit stündlicher Vorhersage.

Ich habe die Karte während wir im Auto unterwegs waren ständig aktualisiert und sie war wirklich wahnsinnig hilfreich. Weiter haben wir die kostenfreie App „Aurora“ genutzt, diese zeigt zum einen auf einer Karte, wo sich das Polarlichtoval gerade befindet und zum anderen die Wahrscheinlichkeit für den aktuellen Ort, sowie beste Standorte in Echtzeit.

Nachdem man also einen klaren Blick auf den Sternenhimmel hat, braucht es nur noch eins: Glück! Denn, es kann noch so sternenklaren sein, manchmal zeigt sich einfach über Stunden kein grünes Band am Himmel. Genauso erging es uns an unserem ersten und zweiten Abend auf Island. Wir haben zwar gemerkt, dass wir in der richtigen Region unterwegs sind, da wir zig geführte Touren gesehen haben, aber am Himmel hat sich leider nichts gezeigt.

Am Mittwochnachmittag auf der Rückfahrt vom Wracked Plane habe ich erneut den Aurora Forecast gecheckt und die KP-Vorhersage hat phänomenale 7 angezeigt. Philipp und ich konnten es kaum erwarten in Hotel zu kommen um uns warm anzuziehen und unsere Ausrüstung zu schnappen.

IMG_2406

Wir sind Richtung Keflavik gefahren und, was soll ich sagen? Es war einfach unglaublich! Wir waren noch auf der beleuchteten Hauptstraße, als sich über uns bereits die ersten grünen Bänder gezeigt haben. Wir waren uns erst nicht sicher, ob es wirklich Polarlichter sind, aber nachdem immer mehr Autos am Straßenrand angehalten haben, bestand kein Zweifel. Wir haben dann so schnell wie möglich einen dunklen Ort gesucht und über zwei Stunden lang nur in den Himmel geschaut.

Von tanzenden Bändern einmal 180° über uns, bis hin zu einer riesigen pulsierenden Krone in lila, hat die Aurora sich an diesem Abend von ihrer besten Seite gezeigt. Hinzu kommt, dass ich an diesem Abend die allererste Sternschnuppe meines Lebens gesehen habe, direkt neben dem strahlenden Polarlicht, unvergesslich. 🙂

Hier seht ihr einige Bilder von diesem Abend:

Um Polarlichter zu fotografieren, gibt es einiges zu beachten:

  • Kamera im manuellem Modus (M)
  • Weitwinkelobjektiv
  • größtmögliche Blende einstellen (am besten 2,8-3,5)
  • manuellen Fokus aktivieren und ins Unendliche fokussieren
  • Verschlusszeit von 15-25 Sekunden
  • ISO-Wert zwischen 800 und 1600

Außerdem ist folgendes wichtig, damit die Fotos gut werden:

  • Stativ
  • Fernauslöser (lieber mit Kabel, da in der Kälte die Verbindung mit Bluetooth nicht so gut funktioniert)
  • Polarlichter zusammen mit einem Vorder- oder Hintergrund ablichten (Wasser oder Berge z.B.)
  • Taschenlampe
  • Ersatzakku und Ersatzspeicherkarte dabei haben

Am Donnerstag haben wir eine etwas schwächere Vorhersage (Kp. 4-5) gehabt und sind erneut auf die „Jagd“ gegangen. Da der Himmel Inlands wolkenfreier war, sind wir dieses Mal entlang des Golden Circle nach Pingvellir gefahren. Kurz vor dem Besucherzentrum des Nationalpark haben wir auf einem Parkplatz angehalten und obwohl es noch nicht ganz dunkel war, haben sich erneut bereits die ersten Lichter gezeigt. 🙂

Neben uns war nur eine Dame auf dem Parkplatz, die ebenfalls Fotos machte, sie kam aus einem kleinen Ort in der Nähe und lebte schon ihr ganzes Leben auf Island. Sie hat uns erzählt, dass es für sie immer noch besonders ist Nordlichter zu sehen, obwohl sie sie bereits hunderte von Malen gesehen hat. Bevor wir uns verabschiedet haben, hat sie und noch erzählt, wie sie als kleines Mädchen immer mit ihrem Bruder im Schneeanzug auf dem Dach der Garage gelegen hat und den ganzen Abend die Lichter beobachtet hat.

An diesem Abend sind diese Bilder entstanden:

Ich wünsche euch viel Erfolg bei eurer Suche nach dem grünen Licht!

P.S. Nachdem wir nun einige Male selbst nach Polarlichtern gesucht haben, kann ich euch nur erneut den Tipp geben, keine Tour im Reisebus mit 50 (meist chinesischen) anderen Touristen zu buchen, sondern das Erlebnis ganz für euch zu gemießen!

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3 Gedanken zu “ICELAND VIII: NORTHERNLIGHTS / POLARLICHTER

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